AYURVEDA - DAS WISSEN VOM LEBEN

Was ist Ayurveda, bei welchen Krankheiten kann der Ayurveda im Besonderen helfen und welchen Zuspruch findet die älteste Medizin der Menschheit hier bei uns in Deutschland? LOSS JONN sprach mit Nikolaus Hirschmann, dem Leiter der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda e.V. in Berlin.

Was ist Ayurveda?

„ayus” bedeutet Wissen und „veda” bedeutet Leben, der Ayurveda ist also das Wissen vom Leben. Ayurveda ist die älteste Medizin der Menschheit, erste Aufzeichnungen reichen bis 3000 Jahre vor Christus zurück. Ayurveda bezeichnet ein ganzheitliches, umfassendes Heilverfahren, das Chirurgie bis zu feinsten vorbeugenden Behandlungen beinhaltet. Grundlage sind die drei Organisationskräfte der Natur, die drei Doshas VATA, PITTA und KAPHA, die im Gleichgewicht gehalten werden sollen.

Ziel des Ayurveda ist die Wiederherstellung des Gleichgewichtes zwischen Körper, Geist und Seele. Den Menschen soll zu einem gesunden und langen Leben verholfen werden. Dabei wird die Selbstverantwortung des Menschen groß geschrieben. Er soll dazu angeleitet werden, sein Leben in Eigenverantwortung zu führen und eine gesunde Lebenseinstellung anzunehmen.

Bedeutsamer Therapieansatz sind die Panchakarma-Kuren. Pancha heißt „5” und Karma heißt „Handlung”. Pancha - karma, das sind also fünf Wege der Reinigung und Entgiftung. Durch Stress und falsche Ernährung beispielsweise lagern sich Giftstoffe im Körper ab, die wieder entfernt werden sollen. Der Körper soll während einer Kur sanft entschlackt und gereinigt werden.

Bei diesem Therapieansatz werden auch stärkende Synchronmassagen, Stirngüsse und Wärmebehandlungen eingesetzt. Die Kur hat jedoch wenig mit dem allseits geläufigen Wellnessbegriff zu tun. Die Reinigung des Magens und des Darms wird beispielsweise mittels Erbrechen und Einläufen herbeigeführt, Dingen also, die sich im ersten Moment nicht nach einer Wellnesskur anhören.

Zusätzlich werden während der Therapie Massagen eingesetzt und spezielle Diäten verordnet. Wichtig ist, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, dass der Ayurveda nicht nur mit Massagen und der ayurvedischen Ernährung arbeitet. Ayurveda ist ein ganzheitliches Gesundheits - sys tem, von dem Massagen und Ernährung lediglich ein Bestandteil sind.

Wie wird Ayurveda von der westlichen Welt angenommen?

Die Nachfrage ist in den letzen Jahren enorm gestiegen. In Deutschland fing alles an mit einem kleinen Ayurveda - zentrum in der Nähe von Osnabrück im Jahr 1986. Inzwischen gibt es ca. zehn große Kurhäuser und viele Hotels, die Ayurvedabehandlungen anbieten. Bei der Auswahl des richtigen Kurhauses ist jedoch Vorsicht geboten, oft wird der Ayurveda nur mit einer Wellnessform gleichgesetzt. Bei einer richtigen Kur stellt der Ayurvedaarzt zunächst eine ausführliche Diagnose, die für den anschließenden Kurablauf maßgeblich ist.

Woran erkenne ich, dass ich mich bei einer Kur in gute Hände begebe?

Jedes seriöse Kurhaus bietet einen Schnuppertag an. Dieser sollte eine ärztliche Diagnose, eine Synchronmassage und ein ayurvedisches Essen beinhalten. Die Einrichtung sollte von einem Arzt oder einem Heilpraktiker mit ayurvedischer Ausbildung geleitet werden. Auf der Internetseite www.ayurveda.de der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda erhalten Sie beispielsweise Adressen zu Kurhäusern und viele weitere hilfreiche Tipps.

Welche Ausbildung hat ein Ayurveda- Therapeut hier in Deutschland?

Ayurvdaärzte sind bei uns beispielsweise Allgemeinmediziner, Naturheilkundler oder Internisten, sie kommen aus den verschiedensten Bereichen. Die ayurvedische Zusatzausbildung erfolgt an der Akademie in Regensburg. Nach Abschluss können die Ärzte mit der ayurvedischen Behandlung beginnen, sie können beispielsweise mit der Pulsdiagnose arbeiten. Allerdings erfordert diese Behandlung viel Erfahrung, die sich die Ärzte mit den Jahren aneignen müssen.

Die Pulsdiagnose wird im Ayurveda zur Erstdiagnose angewendet. Der Arzt fühlt den Puls, und kann auf diese Weise feststellen, wo sich Ungleichgewichte im Körper befinden. So kann er ausgleichend etwas verordnen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die eine Besserung herbeiführen. Beispielsweise kann in bestimmten Fällen der Verzicht auf Milchprodukte am Abend eine Linderung bei Migräne herbeiführen. Wie gesagt, oft sind nur kleine Korrekturen nötig, die Großes bewirken können. Ayurveda ist eine sehr sanfte aber effektive Medizin.

Bei welchen Krankheiten ist Ayurveda besonders hilfreich?

Der Ayurveda ist sehr erfolgreich bei chronischen und psychosomatischen Erkrankungen, beispielsweise bei Migräne, Stirnhöhlenerkrankungen und rheumatischen Erkrankungen.

Worin liegen die Gründe für den Zuspruch, den der Ayurveda in den letzten Jahren in der westlichen Welt erhält?

Zum einen ist das Bedürfnis nach sanfter Medizin und Naturheilmitteln gestiegen. Der Ayurveda arbeitet nur mit Naturprodukten und ist ganzheitlich umfassend und schnell effektiv. Zum anderen kommt dem Ayurveda sicherlich entgegen, dass hier in Deutschland eine Bäderkultur besteht. Viele Menschen haben das Bedürfnis, einmal im Jahr etwas für ihren Körper zu tun und eine Kur zu machen. Aus diesen Gründen ist der Ayurveda speziell hier in Deutschland von den Menschen relativ schnell angenommen worden.

In Deutschland ist auch der älteste ayurvedische Ärzteverband außerhalb Indiens, nämlich die deutsche Gesellschaft für Ayurveda beheimatet. Ayurveda ist zwar in Deutschland noch nicht im Gesundheitswesen etabliert, Fortschritte sind jedoch deutlich erkennbar. Auch die Chinesische Medizin hat in Deutschland 20-30 Jahre benötigt, um sich Anerkennung zu verschaffen!

Die Deutsche Gesellschaft für Ayurveda e.V. wurde 1983 von Ärzten gegründet, um den Ayurveda als vorbeugungsorientierte, ganzheitliche Medizin in unserem Gesundheitssystem zu fördern. Sie ist damit die erste und älteste Vereinigung ihrer Art außerhalb Indiens. Das 30-jährige Jubiläum wird von der Gesellschaft groß gefeiert: In Berlin findet vom 15. bis zum 17. November eine Feier sowie der 3. europäische Ayurveda Kongress statt. Weitere Infos finden Sie auf der Internetseite www.ayurveda.de